Der Nordwesten Australiens gehört sicherlich zu den am wenigsten bewohnten Gegenden überhaupt. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war es kaum erforscht (auch noch gibt es da viel zu tun), bis man Bodenschätze aller Art fand und anfing, das Land auszuplündern.
Dieses ganze Gebiet von Bergwerken und Minen will ich natürlich umfahren. Zurück auf den North West Costal Hwy boiege ich am Nanutarra Roadhouse (Zwischenstopp) in Richtung Tom Price ab, um in den Karijini NP zu gelangen. Um 50km Umweg über Paraburdoo zu sparen, nehme ich die nordwestlich verlaufende Schotterpiste, die dann auch überraschend und zu meiner Freude Road Train sicher ist. Im Karijini NP verpasse ich dann leider einen Abzweig und merke es erst viel zu spät, was mir zwar eine Menge Staub im Gesicht erspart, sicher aber auch schöne Eindrücke. Bei der Anfahrt zum Bush Camp entdecke ich zum ersten Mal eine von diesen fiesen Giftschlangen – für das arme Tier leider zu spät. Was macht das Vieh auch mitten auf der Straße?
Der Camingplatz am Dale Gorge ist wunderschön gelegen und wir von einem reizenden Rentnerpärchen betreut. Ich habe eh das Gefühl, dass ich in der ganzen Gegend zu den wenigen im arbeitspflichtigen Alter gehöre… Als einzige Sanitäranlagen stehen Plumsklos zur Verfügung. Wasser oder gar ein frisch gezapftes Bier sucht man hier vergebens.
Nach der langen Tour mache ich noch eine Wanderung durch die Schlucht; Beine vertreten, um rechtzeitig vor Dunkelheit (bitte wörtlich nehmen, wenn man den Weg zurück finden will) wieder am Platz zu sein un den überragenden Sternenhimmel zu geniessen.
Am nächsten Tag soll es dann nach Marble Bar gehen. Dazu schwenkt man gen Norden auf den Great Northern Hwy ein und fährt durch eine schier unendliche Weite von Buschland. Wer schon mal auf hoher See war, kennt es, wenn man ringsum bis zum Horizont sehen kann. Das flößt einem schon -gelinde ausgedrückt- Respekt ein. Kein Ort, an dem einen das Benzin oder das Wasser ausgehen sollte!
Lediglich die Roadtrains donnern von Zeit zu Zeit mit einer Urgewalt an einem vorbei, dass es einen fast von der Straße fegt. Sie sind auch dafür verantwortlich, dass man die Strasse eigentlich in Kadaver Highway umtaufen müsste. Ich habe noch nie so viele tote Kühe, teilweise 5-6 auf einen Haufen, gesehen. Da sich die Kadaver in allen erdenklichen Verwesungszuständen befinden, kann man sich selbst ausmalen, wie bestialisch es stinkt. Bilder dazu erspare ich euch, es könnte sein, dass einige meiner SchülerInnen diese Seite besuchen! Und ich habe immer noch ein schlechtes Gewissen wegen meiner Schlange gestern…
Nach gut 130km biegt man dann auf eine Schotterpiste in Richtung Woodstock (jawohl, die haben alles hier, die Australier) und Marble Bar ab.
Hier wird die Luft wieder deutlich angenehmer, wenn es auch am späteren Vormittag schon sehr heiß wird. 8km vor Marble Bar wartet dann Gerard freudig darauf, einen durch sein Museum über die ehem. Comet Gold Mine zu führen. Er ist wirklich mit sehr viel Begeisterung dabei und wahrscheinlich auch froh, dass mal jemand zum Schnacken vorbeikommt.
War es uns bei unsere ‘Nice-Bikes-Tour’ 2008/2009 schon teilweise merkwürdig vorgekommen, was in Nordamerika alles als ‘Museum’ durchgeht, so wird es hier gar absurd. Älter? Ja. Alt? Nein. Historisch? Auf gar keinen Fall. Nun darf man dabei nicht vergessen, dass die Museen nahezu ausschließlich die Geschichte der Weißen erzählen. Die Geschichte der Aborigines taucht fast nirgendwo auf, auch wenn sie der wahrscheinlich älteste Volksstamm der Erde sind. Man sieht sie auch nirgends, mit Ausnahme einiger armer Seele, die in den Parks der Städte liegen und schon nachmittags natternvoll sind. Aber sollen DIE das Bild für Millionen anderer prägen? Man muss bei seiner Meinungsbildung sehr vorsichtig sein. Eigentlich wissen wir fast gar nichts von ihnen.
Nachdem mir Gerard die unterschiedlichen Vorzüge von Jade erklärt hat, fahre ich weiter nach Marble Bar. Das Kälbchenn freut sich auf einen Tropfen Benzin und ich mich auf eine Dusche auf dem Campingplatz. Trinke an der Tanke noch einen Kaffee und bekomme bezüglich Marmle Bar ein schlechtes Bauchgefühl. Beobachte ein wenig die herumstromernden Leute und stelle fest, hier nicht bleiben zu wollen.
Hänge also noch 250km dran und fahre bis zum Pardoo Roadhouse. Häppchen und Bier sind nicht nur sehr willkommen nach der langen Fahrt, sondern auch noch ganz lecker.
Nachts läuft 50m neben mir ein riesiger Dieselgenerator für die angrenzende Schafsfarm und ich bin froh, mir in Daytona damals Silikon-Ohrstöpsel gießen lassen zu haben.
Am nächsten Tag rolle ich immer den Great Northern Hwy entlang der Grat Sandy Desert auf Broome zu. Zurück in der Zivilisation mit all den Annehmlichkeiten wie Telefonempfang und Internet, auch wenn man sich das hier wie fast überall bisher saftig bezahlen lässt.



Das nenn ich mal ‚Trainspotting in the middle of nowhere‘. Donnerwetter !!
P.S. Du hast Dir Ohrstöpsel giessen lassen ? Einen Mangel an Voraussicht kann man Dir wahrlich nicht vorwerfen 😉
Comet Gold Mine Museum $ 300 Eintritt? Waren wohl hoffentlich nur $3 😉
Das nenne ich mal nen schönen Sonnenuntergang! Wow!
…was kostet denn ein Steak in der Region…. ??
Das klang jetzt schon ein wenig gruselig und spannend.
Du meinst die Roadtrains (ich glaube das sind diese übergroßen Laster, die bei uns nicht zugelassen sind), fahren einfach die Kühe um? Uii!
Dann würde ich an Deiner Stelle, für Highway Fotos, die Karre von der Straße nehmen, oder?
Bleib schön vorsichtig!
P.S. … gegossene Ohrstöpsel … Respekt!